Verkäuferische Kompetenz

Bei der Bewerbung klug eingesetzt

Vanessa ist 15 Jahre alt und sucht ein einwöchiges Praktikum bei einer Werbeagentur. Ein Blick in die Zeitung lässt schnell erkennen, dass Praktika grundsätzlich nicht in Form eines Personalinserates angeboten werden: Jetzt muss man selbst aktiv werden!

Der erste Schritt besteht darin, einige Adressen von Werbeagenturen rund um Baden-Baden zu sammeln. Auch das geht relativ schnell: Im Internet findet sich Vanessa auch gut zurecht. Schon hat sie zehn Adressen gesammelt und aufgelistet.

Und jetzt? Was ist nun der nächste Schritt? Jetzt ist verkäuferische Kompetenz gefragt; denn es geht nicht darum, was Vanessa will, sondern es geht jetzt darum herauszufinden, welche Vorteile eine Werbeagentur bei einem einwöchigen Praktikum einer Schülerin haben könnte.

Und schon sind wir mitten in einem Verkaufsprozess: Vanessa verkauft weder Kaffee, noch eine Versicherung, sondern Sie verkauft sich selbst. Doch Vanessa möchte nicht Verkäuferin sein! Verkäufer haben bei uns leider ein eher schlechtes Image. Oftmals verbindet man diesen Beruf mit Leuten, die einem etwas aufdrängen möchten, was man eigentlich nicht haben will. In den Vereinigten Staaten ist es gerade umgekehrt, denn dort ist ein Verkäufer ein „Salesman“, also jemand, mit dem persönlicher und beruflicher Erfolg geradezu verbunden ist. Aber der Strahlemann im Anzug mit Krawatte, kann bei uns sogar Aggressionen auslösen.

Doch verkäuferische Kompetenzen sind in jedem Beruf wichtig; denn nur derjenige, der sich selbst gut verkaufen kann, findet auch den Job den er will und kann auch innerhalb einer Firma bessere und interessantere Positionen erreichen. Wer rhetorisch versiert ist, also wer sich sprachlich gut ausdrücken kann, den schickt man eher nach vorn, als den Kollegen, der still in der Ecke sitzt. Und wer vorne steht und präsentiert wird besser wahrgenommen und hinterlässt bei Entscheidern einfach ein positiveres Bild und man erinnert sich besser an ihn; vor allem dann, wenn eine Führungsposition zu besetzen ist.

Doch nun zurück zu Vanessa: Der Vater ihrer Freundin ist ein Marketing-Spezialist und gibt ihr einen wichtigen Tipp: „Weißt Du, Vanessa. Du hast einen ganz entscheidenden Vorteil. – Du bist 15 Jahre alt und die Leute in den Agenturen sind meist viel älter und kennen sich in deiner Altersstufe gar nicht so gut aus. Sie wissen oftmals nicht, wie ihr tickt und wie man euch werblich ansprechen kann. Also, mache es doch einfach so: Rufe in einigen Agenturen an, stelle dich am Telefon vor und sage, dass Du 15 bist und in deinem Praktikum die Werbeanzeigen und die Internet-Gestaltung gut beurteilen kannst. Aufgrund Deiner Beurteilung kann dann die Agentur deine Altersgruppe einfach viel besser ansprechen.“

Vanessa gefiel diese Idee sehr gut und machte sich nun an die Arbeit, einen Telefon-Leitfaden zu schreiben, der eine Orientierung für erste Telefongespräche sein soll. – Danach übte Vanessa mit ihrer Freundin die Gespräche und dann ging es los: Beim ersten Telefonat war sie noch etwas nervös, aber beim zweiten Gespräch lief es wirklich sehr gut und die Personalchefin einer Baden-Badener Agentur bot ihr sogleich ein Vorstellungsgespräch an.

Mögliche Fragen der Personal-Chefin  notierte sich Vanessa auf Karteikarten und überlegte sich gute Antworten. Genau so bereitet sich auch ein Verkäufer auf ein Kundengespräch vor. Jetzt ist Vanessa sehr gut vorbereitet: Und bei ihr hat es geklappt: Sie freut sich riesig über ihre erste Praktikumsstelle.  

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