Schachtalent Oguz Gölgeci spielt mit Karlheinz Zoller seine letzte Landesligapartie nach

„Es ist so schön, dass ich hier zum Schach gefunden habe“

Das Schachtalent Oguz Gölgeci

Eigentlich drängte er sich nicht gleich in den Vordergrund, wirkt sympathisch bescheiden, fiel immer wieder durch sehr gute Mathematiknoten auf, doch welch analytisches Potenzial in dem mittlerweile 15-jährigen Hauptschüler Oguz Gölgeci steckt, zeigte sich erst mit dem Eintritt in die Schach AG der Theodor-Heuss-Schule und mittlerweile wird er längst von Elitespielern des Ooser Schachclubs betreut.

Aber fangen wir diese außergewöhnliche Geschichte, die auch die vorurteilsbehafteten Raster so mancher Elitebefürworter in der Republik ins Wanken bringt, von vorne an. Der Baden-Badener Unternehmer und passionierte Schachspieler Wolfgang Grenke startete eine Initiative für die Schachausbildung an Baden-Badener Schulen. Die begeisterten Schachspieler Rosalinde und Karlheinz Zoller bauten im Kontext der Initiative vor etwa 13 Jahren ehrenamtlich eine Schach AG an der Theodor-Heuss-Schule auf.

Die jüngere Schwester von Oguz Gölgeci ging in diese Schach AG und Oguz dachte, Schach muss ich auch einmal ausprobieren und stieß im Schuljahr 2007 in die Anfängergruppe der Schach AG. Schnell entdeckte seine Begeisterung für das „königliche Spiel“ und besorgte sich, wo er nur konnte, Informationen darüber. Was dann in kürzester Zeit sich entwickelte, verblüffte den Schulleiter der Theodor-Heuss-Schule Werner Schlindwein genauso wie die Leiter der Schach AG, die feststellten: „Nach etwa einem Jahr konnten wir kaum mehr eine Partie gegen ihn gewinnen“. Das Schachtalent wurde in die Ooser Schachgesellschaft 1922 aufgenommen, spielt längst in der Bezirks- und Landesligamannschaft mit Perspektive nach oben und trainiert mit Bundesligaspielern, die gerade wieder Deutscher Meister geworden sind.

Ein Höhepunkt seiner bisherigen Schachkarriere war das Simultanturnier in der Baden- Badener Trinkhalle im vergangenen Jahr, bei dem er gegen die Spieler des Deutschen Meisters gewann. Obwohl er längst in einer anderen Liga trainiert, kommt er treu zu seiner Schach AG: „Es ist so schön, dass ich hier zum Schach gefunden habe“, stellt er freudig fest.

Die herausragende Leistung, die Oguz Gölgeci in kurzer Zeit entwickelt hat, sollten auch der gesellschaftlichen Wahrnehmung zu denken geben, in der die Hauptschule häufig wenig beachtet wird und ist ein Plädoyer für die Breitenförderung. Manch ein Talent schlummert in jungen Menschen, das einfach nur gefunden werden muss.

Momentan steht Oguz Göleci mitten im Hauptschulabschluss, danach möchte er auf eine weiterführende Schule gehen. Das Schachspiel wird ihn immer begleiten und er wird sein riesiges Talent weiter entfalten.          

Volker Gerhard