Auf dem Plan existieren sie schon: die Freizeit- und Sportanlagen auf dem Campusaußengelände (Fotos: Ch. Nickweiler)

„Zwei Wochen hier, sechs Wochen weg“

Vom Anspruch und der Wirklichkeit des "Studentenlebens" in Baden-Baden

Baden-Baden sei eine junge Stadt, wird gerne gesagt. Allein schon aufgrund der zahlreichen Schulen und Bildungseinrichtungen. Und die Europäische Medien- und Event-Akademie (EurAka) in der Cité konnte in diesem Sommer auch bereits ihr zehnjähriges Jubiläum feiern.


Mit der Event-Akademie wird oft der Begriff Campus in einem Atemzug genannt. Damit verbindet man eben nicht nur, dass Wohnheime und Bildungseinrichtung in unmittelbarer Nachbarschaft zu einander liegen, sondern vor allem pulsierendes Leben junger Menschen, neue Leute kennen lernen, Kommunikationstreffpunkte, interessante Gespräche und vieles mehr. Schließlich kommen hier rund 1.000 Schüler von der Robert-Schuman- und der Louis-Lepoix-Schule,  den Absolventen der EurAka-eigenen Ausbildungsgängen zusammen.

etc. SCHULE & CAMPUS wollte wissen, wie es um das Campusleben tatsächlich steht. Wo trifft man sich in der Freizeit? Wo lernt man gemeinsam? Wo geht welche Party ab? Kurzum, wo ist was los für junge Leute?

Ernüchterung

Auf dem Weg über das Gelände und auf der Suche nach emsigen Schülern und Studenten, begegnet man zuerst einmal schwerem Baugerät, die Bagger führen hier derzeit Regie. Also die erste Ernüchterung: kein pulsierendes Leben, sondern Bagger!

Vor dem Eingang dann endlich wenige Grüppchen, die sich zwischen den Gebäudekomplexen – „Finger“ genannt – vor dem von den Baggern aufgewirbelten Staubwolken zu schützen versuchen.

In die Runde gefragt, wo man hier nach einem Lerntag Leute treffen kann, eher verdutzte und ungläubige Gesichter. „Im Umkreis von 100 Metern ist hier in der Nähe der Eventakademie erst mal gar nichts los.“, sagt einer der Jungs aus der Gruppe. „Und was macht man dann?“ „Nichts, abends ins Wohnheim“. Kürzlich habe an einem spätsommerlichen Abend eine Outdoor-Party stattgefunden, doch um 22 Uhr wären die Securities mit ihren Hunden gekommen und hätten die Feier aufgelöst, um für Ruhe auf dem Gelände zu sorgen, berichtet ein Schüler aus dem Bereich der Veranstaltungstechnik.

Man würde sich mehr Veranstaltungen, mehr „action“ und überhaupt Freizeitangebote für die Besucher der Bildungseinrichtungen wünschen waren die Anliegen, die man mit einer gewissen Enttäuschung deutlich vernehmen konnte. Also die zweite Ernüchterung: Campusleben – erst einmal Fehlanzeige!

Ein zweiter Versuch wird gestartet. Dieses Mal mit Vertretern der Event-Akademie und einigen Schülern aus verschiedenen Klassen unterschiedlicher Bildungsgänge.

Das Treffen wird kurzerhand in einen nagelneuen Aufenthaltsraum verlegt. Ein Aufenthaltsraum! Der Keim, die Grundlage, dass gemeinschaftliche Begegnungen außerhalb des Unterrichts überhaupt stattfinden können. Ein Hoffnungsschimmer?

Freizeit auf dem Campus – eine eher langweilige Angelegenheit

Wo geht was ab?

Auf die gleiche Frage in die Runde, wo man sich denn nach der Schule so trifft, folgen erste Antworten: In den WGs im Wohnheim, da könne man sich treffen, sich unterhalten, ab und zu Fern sehen und wenn es sein muss auch mal Gesellschaftsspiele spielen (!).

Allerdings seien die Zimmer in den Wohnheimen in der Nähe der Eventakademie aufgrund der Baussubstanz sehr hellhörig und böten keinen gemeinschaftlichen Raum. Nach hartnäckigem Fragen, stellt sich dann schließlich heraus, damit andere Mitbewohner nicht gestört werden, finden eigentlich gar keine Treffen statt. Und gemeinsam lernen würde man ja bei Projektarbeiten in den Unterrichtsräumen der Eventakademie. Eine Bibliothek gibt es in der EurAka nicht.

Wenn Veranstaltungen für die jungen Menschen überhaupt stattfinden, dann nur, wenn eine Fachklasse den Abschluss eines erfolgreichen Projektes auf der Akademiebühne feiert und zum Feiern einlädt.

Wie kommt es, dass, wo viele junge Menschen beieinander sind, keine Freizeitangebote zur Verfügung stehen? Immerhin versucht man junges Leben anzulocken und die Event-Akademie wirbt auf ihrer Internetseite mit Formulierungen wie „Wer mag, kann durch verwinkelte Gässchen der Altstadt streifen, romantische Plätze und idyllische Winkel entdecken und versteckte Kleinodien der Baukunst erkunden. Er kann aber auch einfach nur relaxen, die Seele baumeln lassen, im Park vom Liegestuhl aus die Welt an sich vorbeiziehen sehen und in Kneipen bis spät am Abend über Gott und die Welt philosophieren.“

Problem Blockunterricht

Die meisten Schüler der Robert-Schuman- und der Louis-Lepoix-Schule , die in der EurAka Unterricht haben, haben Blockuntericht. Das heißt, es ist immer nur ein Drittel der Schüler für einen Zeitraum von gerade mal zwei Wochen anwesend. „Zwei Wochen hier, sechs Wochen weg, im Betrieb arbeiten. Wir können keine Gruppen bilden, weil wir keine Zeit und keine Gelegenheit haben, uns kennen zu lernen“, bringt es Heike Speh von den Veranstaltungskaufleuten auf den Punkt. Eine Studierendenvertretung oder eine Art über der SMV angesiedel-tes Gremium, das die Organisation von Events übernehmen könnte, gibt es auch nicht.  

Kneipen und Freizeitangebote

Und wie sieht es mit den Kneipen und anderen Treffpunkten aus? Die Preise für Getränke und Essen seien in der Stadt horrend. Baden-Baden ist nicht für Studierende mit knappem Geldbeutel ausgerichtet, findet Jonas Fischer. Zum Vergleich: in Freiburger Kneipen gibt es Getränke auch schon für 1,50 Euro.  „Und ohne Auto komme ich sowieso nicht in die Stadt. Die letzte Verbindung ist um 0.30 Uhr und um zu Fuß zu gehen, ist es einfach zu weit“, schildert Felix Klemp die Schwierigkeiten der jungen Leute, Anschluss an das kulturelle Leben der Stadt zu finden.  

Wie verhält es sich mit den sonstigen Freizeitangeboten? Thermalbäder und alle anderen Reize der Kurstadt, mögen für Touristen interessant sein, junge Menschen aber lassen sie eher kalt.

Das Angebot des Tanzclubs „Movie“ (vormals „Alpenmax“) im „Shopping Cité“ reizt auch nicht. „Da kommt gar keine Stimmung auf“, berichtet Maurice Bender über seinen Besuch mit einigen Mitschülern dort.

Schnell kommt die Gesprächsrunde auf die Preise und die Qualität des Restaurants auf dem Gelände der Event-Akademie zu sprechen. Fazit: Mittags ist dort viel los. Und bei der Monopolstellung des einzigen Gastronomiebetriebs im Bereich EurAka dürften die Qualität besser und vor allem die Preise mehr auf das schmale Portemonaie der Schüler zugeschnitten sein. Ein Menü zum Studententarif kostet 4,40 Euro.

Dessen Betreiberin hält dagegen, anders als öffentliche Mensen, würde sie nicht subventioniert. Anders sieht das EurAka-Schulleiter Sven Pries, selbstverständlich würde man über den Weg des Mietpreises subventionieren. Zudem würde  die Pächterin um 15.30 Uhr den Schlüssel herumdrehen und  für den Rest des Tages schließen. Wenn jemand eine Party feiern will, darf er sich gerne vorher anmelden, zeigt sie sich entgegenkommend. Pries gibt aber zu, dass man in Sachen Freizeitangebote nicht am „Ende der Optimierungskette“ angekommen sei.

Zukunftsperspektiven

Pries zeigt auf einem Plan, was bis zum nächsten Sommer auf dem Gelände der Eventakademie entstehen soll: Bolzplätze, Liegewiesen, Sitzgelegenheiten, Grillplätze und, man höre und staune, eine Open-Air-Bühne. Zudem ist in einem Gebäude ein Internet-Raum vorgesehen mit drei PCs. „Schade, nächstes Jahr werde ich meine Ausbildung bereits abschließen“, bedauert Maike Arnold.

Doch welche Möglichkeiten stehen den Azubis und Schülern während der kalten Jahreszeit zur Verfügung, regelmäßige Treffen und Freizeitaktivitäten zu veranstalten? Im Winter herrsche „tote Hose“. Es fehle ein großer Aufenthaltsraum in den Wohnheimen, hört man aus der Gesprächsrunde. Einige sportlich Aktive freuen sich derweil schon auf die künftige Kletterhalle des Alpenvereins. Allerderdings ist derzeit noch unklar, wo sie entstehen wird. Der geplante Standort beim Aumattstadion hat sich erst vor Kurzem zerschlagen.

Fazit: Zwischenbilanz

Demnach kann man derzeit nur eine Zwischenbilanz in Sachen Baden-Badener Campusleben ziehen. Wenn die derzeitigen Planungen bis zum Frühjahr/ Sommer 2010 umgesetzt sind, wird zu gegebener Zeit nachzuhaken sein, ob sich die Situation der Freizeitangebote für die junge Menschen auf dem Campus der Eventakademie verbessert hat.

Christina Nickweiler