USA-Stipendiatin Semra Karaca im Gespräch mit Nicolette Kressl, MdB

„Das beste Jahr in meinem Leben“

Von Gaggenau aus quer durch Amerika

„Ich war so aufgeregt, dass ich vom Jetlag nichts spürte und sofort den Times Square erkundete ...“ Semra Karacas USA-Abenteuer begann vor einem Jahr in New York. Drei Tage verbrachte die 24-jährige Gaggenauerin mit weiteren Stipendiaten des Parlamentarischen Patenschafts-Programms (PPP) in der Metropole, bevor sie nach Wisconsin reiste, um dort am College die Fächer Psychologie, Internationales Marketing, Informationstechnologie und English zu belegen.

„Das College war in Sachen EDV super ausgestattet. Wir Studenten hatte jederzeit Zugriff auf Computer und Drucker, konnten kostenlos Hausaufgabenbetreuung in Anspruch nehmen oder uns von Bibliotheksfachkräften Unterstützung holen. Die Lehrer waren sehr weltoffen und haben uns Studenten stets motiviert“, fasst sie ihre Eindrücke zusammen. Dann zeigt Semra Karaca der SPD-Bundestagsabgeordneten Nicolette Kressl Fotos von der Wohnung ihrer Gastfamilie und dem gemeinsamen Weihnachtsfest – übrigens dem ersten im Leben der charmanten Mittelbadenerin mit türkischen Wurzeln – und kommentiert augenzwinkernd die „Vorhänge mit Harley-Davidson-Muster und Weihnachtskugeln mit Betty-Boop-Motiven …“

„Meine Gast-Mom, mein Gast-Dad, ihr kleiner Sohn und alle Verwandte haben mich ganz herzlich aufgenommen – und  so viel gemeinsam mit mir unternommen!“, schwärmt sie im Gespräch mit der Politikerin, die Semra Karaca als Patin während des Austauschs betreut hatte.

Ihrem siebenjährigen Gastbruder Ben brachte Semra Karaca das Eislaufen bei, den Mitstudenten im College die deutsche Sprache, und wie die meisten Stipendiaten kaufte auch sie sich ein eigenes Auto, um an den Wochenenden das Land der unbegrenzten Möglichkeiten für sich zu entdecken. „Ich bin oft nach Chicago gefahren, war mit meiner Freundin an den Niagara-Fällen, und habe natürlich Graceland angeschaut – das Haus von Elvis Presley mit den vergoldeten Wasserhähnen“, nennt sie einige ihrer Ziele und fügt stolz hinzu: „Das Auto habe ich übrigens sogar mit Gewinn verkaufen können.“

Die zweite Hälfte des Austauschjahrs verbrachte Semra Karaca in Detroit. Dort hatte sie die Gelegenheit, bei Detroit Diesel, einem Hersteller von LKW-Motoren, das amerikanische Arbeitsleben aus erster Hand kennen zu lernen: „Ich war im Bereich Qualitätsmanagement eingesetzt, habe Audits, Schulungen und Workshops durchgeführt“, beschreibt sie ihre Tätigkeit und nennt als Unterschiede zum Arbeitsalltag in Deutschland: „Wir hatten dort längere Arbeitszeiten, wenig Urlaub, aber sehr viel persönliche Kontakte. Es war auch ganz normal, dass Vorgesetzte ihre Mitarbeiter mal zu sich nach Hause einladen.“

Nach weiteren Höhepunkten gefragt, berichtet Semra Karaca der Abgeordneten begeistert, zugleich aber auch etwas wehmütig von ihrer „End-Tour“, die sie mit einer Freundin von Seattle aus startete: „Wir sind einfach drauf los gefahren, haben viele Städte kennen gelernt, daneben haben wir Horseback-Riding mit Cowboyhüten gemacht und zwischendurch im Hotel Fußball-WM geguckt … Und nach 6.000 Kilometern durch acht Bundesstaaten stand fest: Der Grand Canyon – das ist für mich der absolut atemberaubendste Fleck in den USA!“

In Washington D.C. hieß es dann Abschied nehmen. Semra Karaca legte jedoch Wert darauf, zuvor noch bei Gary Peters, „ihrem“ Congressman aus Michigan, im Washingtoner Regierungsviertel vorbeizuschauen: „Das Parlamentarische-Patenschafts-Programm wird gemeinsam vom Kongress der Vereinigten Staaten und dem Deutschen Bundestag getragen. Es war mir deshalb wichtig, auch Gary Peters ein positives Feedback zu geben, denn das PPP ist einfach eine geniale Chance, die so viel junge Menschen wie möglich nutzen sollten. Ich war in den USA sehr glücklich und möchte auf alle Fälle wieder zurück – entweder bald für einen Urlaub oder sogar einige Jahre dort leben.“