Berufsberaterin Daniela Hirsch mit den Schülerinnen Ekaterina Kaplunova und Kathrin Potrykus (v.li.), dahinter (ebenfalls v.li.) RWG-Schulleiter Reiner Krempel, Horst Sahrbacher, Agentur für Arbeit Rastatt, sowie Volksbank-Vorstandsvorsitzender Dr. Roman Glaser (Foto: M. Schneider)

Die persönlichen Stärken herausarbeiten

200 Schülerinnen und Schüler absolvierten das mehrstündige Programm des so genannten „Berufsnavigators“.

„Bei etwa 50 Prozent unserer Schülerinnen und Schüler der Abschlussklassen steht hinter der Frage nach dem Berufswunsch nur ein großes Fragezeichen“, gibt Daniel Willemsen, Lehrer und BOGY-Beauftragter am Baden-Badener Richard-Wagner-Gymnasium (RWG) seine Erfahrungen wieder.  Wenn sie dann nach dem Abitur nicht gleich mit einem Studium oder einer Ausbildung anfangen würden, verpuffe die gewünschte Wirkung des G8 völlig. Um dem entgegenzuwirken haben die Volksbank Baden-Baden · Rastatt und die Agentur für Arbeit gemeinsam ein bisher in der Region einmaliges Projekt gestartet: rund 200 Schülerinnen und Schüler der zehnten Klasse des RWG und des allgemeinbildenden Gymnasiums des Pädagogiums sowie den achten Klassen der Realschule absolvierten das mehrstündige Programm des so genannten „Berufsnavigators“.

Bei diesem, von der Hochschule für Bundeswehr in Hamburg und der Wirtschaft entwickelten Test, so Volksbank-Vorstandsvorsitzender Dr. Roman Glaser, werden explizit die Neigungen und Stärken der Schüler herausgearbeitet. Das funktioniert so, dass jeweils drei bis vier Schüler, die sich gut kennen, untereinander 50 Persönlichkeitsmerkmale, zum Beispiel Auftreten, Belastbarkeit, soziale Kompetenz oder Kreativität, abfragen und diese wie beim TED im Fernsehen gegenseitig bewerten. Dem sich so ergebenden Profil des Schülers werden dann zehn passende Berufsbilder zugeordnet und anschließend findet eine persönliche Beratung mit Berufsberatern der Agentur für Arbeit statt.

Die Schülerinnen und Schüler, die sich dem ersten Berufsnavigator-Test unterzogen, fühlten sich größtenteils zutreffend bewertet. So möchte Kathrin Potrykus in jedem Fall etwas mit Wirtschaft machen und genau das sei auch als Egebnis beim Berufsnavigator herausgekommen. Recht „bunt“ waren die Vorschläge bei Ekaterina Kaplunova: Kommissarin, Pädagogin oder IT-Systemkauffrau: Falsch waren die Ergebnisse nicht, denn diese Berufe würden sie alle interessieren, nur ganz festgelegt hat sie sich noch nicht. Für den Schulleiter des RWG, Reiner Krempel, ist deswegen der Test-Zeitpunkt – in der 10. Klasse – genau richtig gewählt, da er nach dem BOGY- Praktikum und vor der Wahl der Kurse für die Oberstufe liege. Nach den ersten Erfahrungen könne er nur sagen: „Wir sind begeistert“.

Die bisher im Bundesgebiet gemachten Erfahrungen mit dem Berufsnavigator sind ebenfalls durchweg positiv. Es wurde eine Treffergenauigkeit von rund 90 Prozent erzielt. Und so hofft auch Horst Sahrbacher, Leiter der Agentur für Arbeit Rastatt, dass mit dem Berufsnavigator die Zahl der Studien- und Ausbildungsabbrecher deutlich reduziert und damit persönlicher wie wirtschaftlicher Schaden vermieden werden können.  

> Michael Schneider