Stets umlagert: der Messestand der Handwerkskammer Karlsruhe  (Fotos: M. Schneider)

„Hol Dir Deinen Superjob“

Rund 2.000 Besucher bei der ersten Ausbildungsmesse im Murgtal

Gernsbach, 29.4.2011 – Der demografische Wandel sorgt für neue Perspektiven: Nicht mehr der Schulabgänger geht auf langwierige Ausbildungsplatzsuche, sondern „die Unternehmen bewerben sich intensiv um Ausbildungskandidaten“. So sagte es Wolfgang Suerbaum, CEO von Smurfit Baden Karton, bei der Eröffnung der ersten Ausbildungsmesse im Murgtal, die Ende März unter dem Motto „Hol Dir Deinen Superjob“ in der Stadthalle Gernsbach stattfand. Und Gernsbachs Bürgermeister Dieter Knittel fasste die aktuelle Situation in die Worte: „Der Wettbewerb um jeden einzelnen Auszubildenden hat begonnen“.  

Drei Betriebe aus der Region – neben Smurfit Kappa das Mercedes-Benz-Werk Gaggenau und die Volksbank Baden-Baden · Rastatt eG –,  die Realschule Gernsbach sowie die IHK Karlsruhe hatten die Messe organisiert und wurden selbst von deren Erfolg vom Start weg überrascht. Rund 2.000 Schüler, Eltern und Lehrer waren von nachmittags bis in die Abendstunden in die Gernsbacher Stadthalle gekommen, um sich an den Messeständen der weit über 40 Betriebe und Verwaltungsstellen, weiterführenden Schulen und Bildungseinrichtungen sowie Kammern und der Agentur für Arbeit zu informieren – vor allem im persönlichen Gespräch, aber auch anhand der zahlreich ausgelegten Informationsbroschüren. Parallel dazu gab es zahlreiche Vorträge und Präsentationen zu einzelnen Berufsfeldern. Schüler der Realschule Gernsbach hatten eine Cafeteria eingerichtet und am späteren Nachmittag und frühen Abend kam auch der Unterhaltungsaspekt nicht zu kurz: die regionale Newcomer-Band „Stage.Dive“ und vor allem „Supertalent“-Finalistin Ramona Fottner sorgten in der dicht bevölkerten Halle für Stimmung.

Trotz der anscheinend komfortablen Situation für Ausbildungsplatzsuchende, muss zunächst aber immer noch zusammenkommen, was zusammenpasst. Und insoweit gibt es in der alltäglichen Praxis immer wieder Enttäuschungen. Insbesondere wenn der gewählte „Traumberuf“ nicht den Erwartungen entspricht. So hätten, berichtet Ruth Großmann, Berufsberaterin der Agentur für Arbeit in Gaggenau, viele zum Beispiel vom derzeitigen Trendberuf Mediengestalter keine klaren Vorstellungen. Denn statt kreativer Gestaltung stehe bei dessen Tätigleit in der Regel das Umsetzen vorgebener Entwürfe im Vordergrund. Weniger Probleme gebe es insoweit beim Berufsbild des Kfz-Mechatronikers, der nach wie vor, vor allem bei Jungs, ganz weit oben auf der Wunschliste steht. Die Jugendlichen, die zu ihr zur Beratung kämen, seien insgesamt allerdings durchaus realistisch: Sie hätten zwar in der Regel einen Wunschberuf, doch durchaus Alternativen im Hinterkopf. Das kann ihr Kollege Hans Schneider bestätigen. Bei den angehenden Auszubildenden sei Flexibilität gegeben. Er empfiehlt, bevor ein Ausbildungsvertrag abgeschlossen wird, mittels Praktika schon einmal in den angestrebten Beruf hineinzuschnuppern.

 

Berufe rund um das Auto gehören insbesondere für männliche Jugendliche nach wie vor zu den beliebtesten

 

Wer den Sprung wagt, bereut es nicht

Daniel Stricker, zuständig für die Nachwuchswerbung bei der Handwerkskammer Karlsruhe, kann nur empfehlen, sich auch Berufe genauer anzuschauen, die auf den ersten Blick nicht so anziehend wirken, wie den des Bäckers zum Beispiel. „Wer den Sprung wagt, bereut es nicht“, berichtet er aus seiner Erfahrung. So gebe es im gesamten Lebensmittelbereich anspruchsvolle Ausbildungsberufe, die heutzutage insbesondere in Bezug auf Kenntnisse in den Bereichen Hygiene und Qualität den dort Tätigen einiges abverlangten.

„Wir brauchen Nachwuchs und setzen auf den eigenen Nachwuchs“, betont Corina Jacob, verantwortlich fürs Personalmanagement bei der Volksbank Baden-Baden · Rastatt. „Wir bauen die Leute, die bei uns mit einer Ausbildung beginnen, zielgerichtet auf, damit sie bei uns im Haus Karriere machen können.“ Aufgrund der Wirtschaftskrise sei der Beruf des Bankkaufmanns einige Zeit „nicht mehr so en vogue gewesen“, sagt sie, sein Image habe sich inzwischen allerdings wieder verbessert. Bei Bewerbern werde besonders auf die Leistungen in Mathematik und Deutsch geachtet, zudem müssten sie etwas extrovertiert sein, um gut auf Menschen zugehen zu können. Entsprechend Qualifizierten wird die Möglichkeit eines internen, berufsbegleitenden Bachelorstudiums zum Bankfachwirt geboten, ein anschließender Masterstudiengang sei ebenfalls möglich.
Wer kaufmännisch interessiert ist, aber eine Ausbildung bei einer Bank doch nicht so zusagt, für den ist vielleicht der Beruf des Sport- und Fitnesskaufmanns/-frau das Richtige. Dieses noch relativ neue Berufsbild verbindet kaufmännische mit sportlichen Interessen. „Eine 6 in Sport im Zeugnis sollte der oder die, die sich dafür interessiert nicht mitbringen“, meint Julia- Sophia Ernst, Geschäftsführerin des Rastatter Fitnessstudios „adam & eve“. Zwei Ausbildungsplätze im Jahr bietet sie an für Leute, die vor allem gerne mit Menschen umgehen wollen. Auf diese treffen sie dann im Berufsleben zum Beispiel auch in Fitnesseinrichtungen in Hotels und Kliniken. Mit einer Qualifikation ist es auch möglich, Personaltrainer zu werden.

Wer die Ausbildungsmesse in Gernsbach besucht hat, konnte so wie Volksbankvorstandschef Dr. Roman Glaser feststellen, dass es tatsächlich „ein breites Spektrum an Zukunftsperspektiven gibt“. Und deshalb, so Glaser, brauche es keinem um seine Zukunft bange zu sein.

> Michael Schneider

Mit über 40 Ausstellern und rund 2.000 Besuchern in der Stadthalle Gernsbach war die erste Ausbildungsmesse im Murgtal ein Überraschungserfolg