Todesfabrik Auschwitz-Birkenau

Vortrag von Dr. Gideon Greif an der HRS Iffezheim

Iffezheim, 1.2.2012 – Einen sehr bewegenden Vortrag hielt Dr. Gideon Greif für die vier Abschlussklassen der Haupt- und Realschule Iffezheim.

Der israelische Historiker, der in Tel Aviv studierte und an der Universität Wien promovierte, arbeitete u.a. an der Knesset, dem israelischen Parlament, sowie viele Jahre im Yad Vashem Holocaust Museum in Jerusalem. Seit 2011 ist er Professor an der Universität von Texas, Austin, USA. Darüber hinaus initiierte er eine Vielzahl pädagogischer Projekte für Lehrer, z.B. aus Polen, Kanada, Deutschland, führt Schülerprojekte in verschiedenen europäischen Staaten durch und hält Vorträge an Schulen.

Die Kollegen der Fachschaft Geschichte wählten aus seinem breitgefächerten Angebot den Vortrag: „Todesfabrik Auschwitz-Birkenau: Die industrielle Massenvernichtung in einem Vernichtungslager 1942-1945.“

Sehr detailliert beschrieb er das, was im „Imperium Auschwitz-Birkenau“, wie er es nannte, kaltherzig geplant, effizient und straff durchorganisiert wurde: die systematische Ermordung von allein dort eineinhalb Millionen Menschen. Ab dem Frühjahr 1944, als die 800.000 ungarischen Juden nach Auschwitz deportiert wurden, bis zur Befreiung des Lagers durch die Soldaten der Roten Armee am 27. Januar 1945 waren es täglich 10.000 bis 20.000 Menschen, die in dieser „Todesfabrik“ ermordet wurden.

Mit Schaubildern und präzisen, dennoch schülergerechten Erläuterungen, führte Dr. Greif durch die erste Hälfte seines Vortrags. Besonders bemerkenswert war, wie er die Schülerinnen und Schüler dabei einbezog, sie zum Dialog anregte und auf ihre Fragen einging.

Im zweiten Teil, geprägt von einer Auswahl aus den 207 Fotos, die von einer damals 20jährigen Jüdin, die Auschwitz überlebt hatte, im Lager Dora durch Zufall entdeckt wurden, richtete sich der Fokus stärker auf die Einzelschicksale. Diese Aufnahmen wurden von zwei SS-Fotografen gemacht, wohl hauptsächlich zu Propagandazwecken, denn auf ihnen wirken die Menschen nicht verängstigt, Lüge und Vertuschung hatten offensichtlich gewirkt und sie wussten nicht, dass den meisten von ihnen nur noch wenige Minuten oder Stunden zum Leben blieben.

Dr. Greif zeigte Fotos von ganzen Familien, zum Teil drei und vier Generationen, die alle in Auschwitz dem Rassenwahn des Nationalsozialismus zum Opfer fielen. Besonders berührten die Schülerinnen und Schüler natürlich die Bilder von Kindern, aufgenommen nur wenige Minuten vor ihrem Tod.

Die etwa 120 Schülerinnen und Schüler folgten dem Vortrag mit großem Interesse und vielen Fragen. Ganz sicher trug er viel zu einem vertieften Wissen bei, nicht nur intellektuell, sie lernten auch auf der menschlichen, der emotionalen Ebene. Dafür bedankte sich Schulleiter Carsten Bangert bei Dr. Greif und hob die hohe Authentizität seines Vortrags hervor. Er dankte auch Pfarrer Scholz von der Paulusgemeinde Gernsbach, dessen Vermittlung ihn ermöglichte. Benedikt Merkel, der Schülersprecher, brachte zum Ausdruck, wie bewegend es für die Jugendlichen war, so anschaulich über den Holocaust informiert worden zu sein.

Dem Förderverein der Haupt- und Realschule ist es ein großes Anliegen, den Schülerinnen und Schülern über das menschenverachtende,  zu Verfolgung und Massenmord führende NS-Regime auch außerhalb des Unterrichts Kenntnisse und Einblicke zu vermitteln. Er übernahm Dr. Greifs Honorar, wie auch im Herbst bereits den Großteil der Buskosten für die Fahrt der vier Abschlussklassen zum ehemaligen Konzentrationslager Natzweiler-Struthof.
Die Unterstützung dieser außerunterrichtlichen Veranstaltung durch den Förderverein hat bereits eine gute, mehrjährige Tradition, ebenso wie die Einladung von Zeitzeugen, bzw. aktuell Dr. Greif, einem ausgezeichneten Historiker mit der Begabung, seine Kenntnisse jungen Menschen zu vermitteln.