Harry Potter muss nicht sein, aber sind die Sterne wirklich Sterne?

SWR 2 Diskussion rund um die Sternchen-Themen

Baden-Baden, 1.2.2012 – Er war dabei im SWR 2 Forum: Peter Merkel ist Professor für Didaktik sowie Gymnasiallehrer in Heidelberg und was die Baden-Badener Abiturienten besonders interessiert: Dieser Mann sitzt in der Kommission, die für die Deutsch-Sternchenthemen zuständig ist.

Und die Auswahl der Sternchenthemen kam im  SWR 2 Forum „Immer wieder Kohlhaas“  unter der Gesprächsleitung von Ursula Nusser auf den Prüfstand.
Merkel hatte keinen leichten Stand.

Ein bisschen Altbacken und wenig experimentierfreudig nannte der Gymnasiallehrer und Schriftsteller Moritz Heger Themenschwerpunkte wie  „Der Besuch der Alten Dame“ oder den  „Homo Faber“ im nächsten Sternchenthemenzyklus. Von der Schweizer Bank war die Rede. „Meine Kinder lesen in der Schule das gleiche wie ich“, meinte die Theaterintendantin des Jungen Ensemble Stuttgart Brigitte Dethier, „wie sich die Welt nicht verändert hätte und nicht neue Themen unter den Nägel brennen“. Einigkeit war schnell erzielt, dass alle Sternchenthemen doch irgendwie einen aktuellen Bezug in sich tragen. Nur Brigitte Dethier machte keinen Hehl daraus, dass der Kafka, mit dem sie damals nicht zu recht kam, irgendwie ihre sehr gute Deutschnote versaut hätte.

„Der Prozess“ sei schwierig aber hoch aktuell und der „Kohlhaas“ eine Herausforderung der Sprache, verteidigte Merkel die Wahl. Die Stoffe der Pflichtlektüren müssten vergleichbar sein, sonst nimmt man die Chance des Literaturvergleichs, der didaktisch wertvoll sei, weil sich neue Horizonte in der Analyse erschließen. Die Themenauswahl müsse auch auf einer breiten Zustimmung und Akzeptanz basieren. Man hätte sehr viel Spielraum für Experimente im ganzen Deutschunterricht, da müssten die Sternchenthemen so etwas wie ein Fels in der Brandung sein, auf eine breite Akzeptanz und Anerkennung stoßen. Bei „Popart“ z.B. gingen die Einschätzung viel zu sehr auseinander sozusagen von Käse bis Filet.

Auch den langen vierjährigen Zyklus der Sterne verteidigt Merkel, man denkt dabei an die Lehrer, die sehr viel Aufwand bei den Sternchenthemen auf sich nehmen und die Chancen bekommen sollten, den Stoff zweimal zu unterrichten. Aber natürlich auch an die Finanzen. Ständig neue Bücher zur Verfügung zu stellen, sei ein großer Finanzaufwand der Schulen …. “Und es profitieren auch die Verlage“, warf Heger ein. Der Verkauf der Sekundärliteratur und Interpretationshilfen sei immerhin bei der Masse an Schüler über zwei Jahrgänge ein sicheres Geschäft, denn die Schüler trauten irgendwie der Interpretation mehr, wie dem gelesenen Wort. Heger möchte mehr literarische Experimentierfreude, vielfältige Interpretationswege, Wirkungen der Sprache bei den Schülern, das sie etwas bewegt, während Merkel stärker einen Bildungskanon vertrat. Einig waren sie, dass man es den Schülern nicht zu leicht machen sollte: „Harry Potter erschließt sich von alleine, den braucht man nicht im Unterricht zu lesen, meinten die Lehrer. Nur die Mutter Brigitte Dethier warf ein, dass man als Eltern irgendwie froh ist, dass überhaupt gelesen wird und fand in den Sternen, nicht so viele Impulse, die Jugendliche zum Lesen bringen.