Philippische Jugendliche spielen für Baden-Badener Schüler: die Theatergruppe Akbay der Preda-Stiftung

„Deine Träume werden wahr“

Theatergruppe Akbay führt in der Baden-Badener Klosterschule vom Hl. Grab Musical-Drama über sexuelle Ausbeutung philippinischer Jugendlicher auf

Baden-Baden 9.5.12 – Celina möchte eigentlich gar nicht weg. Doch ihre Mutter ist überzeugt, dass sie im Ausland einen gute Arbeit und damit ein besseres Leben als im heimischen Dorf auf den Philippinen erwartet. Im Grunde hat sie keine Wahl: Denn nach dem Dammbruch einer Mine wurde das Dorf von einer giftigen Flutwelle überrollt. Die Häuser sind zerstört, ebenso die Mangobäume, die Lebensgrundlage der Bauern. Was Celina und den anderen Familien bleibt sind Schulden.

Den Dammbruch in der Inselprovinz Marinduque gab es wirklich, die Szene zwischen Celina und ihrer Mutter ist jedoch nur gespielt. Gespielt von sieben philippinischen Jugendlichen, die die Theatergruppe Akbay der Preda-Stiftung bilden. Auf Einladung der Baden-Badener Aktionsgruppe Fairer Handel führten sie an der Klosterschule vom Hl. Grab vor Schülerinnen und Schülern der 9. und 10. Klassen das von ihnen selbst verfasste Stück „Once we had a dream“ auf, das von Umweltzerstörung, Armut und sexueller Ausbeutung in ihrer Heimat handelt, aber auch von der Hoffnung auf eine selbstbestimmte und menschenwürdige Zukunft. Für die Klosterschüler eine gute Möglichkeit, „ihren Horizont zu erweitern und etwas über das Leben außerhalb des Klassenzimmers zu lernen“, so Schulleiterin Margarete Ziegler. Das in englischer Sprache aufgeführte Stück, das im Englischunterricht vor- und nachbereitet wurde und wird, feierte in der Aula der Klosterschule vom Hl. Grab seine Deutschland-Premiere. Diese erlebte auch der irische Pater Shay Cullen mit, der Gründer der Preda-Stiftung, die sich seit ihrer Gründung im Jahr 1974 für Kinderrechte und Fairen Handel auf den Philippinen einsetzt.

Organisiert wird die Deutschland-Tour 2012 der Theatergruppe Akbay vom Kölner Tatort-Verein. Dieser wurde aufgrund der Konfrontation mit den Kinderschicksalen während der Dreharbeiten zu dem WDR-Tatort „Manila“ im Jahr 1998 gegründet. Die beiden Tatort-Kommissare-Darsteller Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär sowie „Pathologe“ Joe Bausch, im richtigen Leben Gefängnisarzt, setzen sich seitdem aktiv für Menschenrechte und insbesondere für Kinderrechte in den Philippinen ein: für „Knastkinder“, so auch der Titel des ersten Theaterstücks, das von ihnen unterstützt wurde, denn allein in den Philippinen sind rund 20.000 Kinder eingesperrt, und gegen Kinderprostitution und Sextourismus.

Denn auch Celina bekommt nicht den erhofften gut bezahlten Job, sondern landet mit Isabelle und dem Straßenjungen Dodong in „Mr. Henkel’s Sex-Bar“ in Frankfurt. Als Celinas Freund Alex dies erfährt, nimmt er Kontakt zu „Herrn Schmitz“ von Preda in Deutschland auf, um die Jugendlichen zu befreien. Die anschließende Aktion ist jedoch nur teilweise erfolgreich.

Während es Celina und Isabelle gelingt, aus dem Bordell-Gefängnis zu entkommen, wird Dodong erschossen. Im Abschiedslied für ihn blicken sie dennoch hoffnungsvoll nach vorne: „Es gibt keinen Grund, Deine Träume beiseite zu legen. / Jetzt kannst Du fliegen und deine Träume werden wahr“. Die jungen philippinischen schauspielernden und – in Originalsprache – singenden Darsteller boten eine engagierte Aufführung, für die sie großen Applaus erhielten. Man spürt durchweg ihre eigene Betroffenheit, denn sie waren selbst zum Teil Straßenkinder, bevor sie mit Preda in Kontakt kamen. Dank der Stiftung können sie inzwischen alle studieren oder haben bereits ein Studium abgeschlossen. Aus Dankbarkeit unterstützen sie weiter die Arbeit von Preda, insbesondere den Handel mit Fairen Mangoprodukten.

Hier schließt sich der Kreis, denn diese werden von der Aktionsgruppe Fairer Handel um Markus Bähr in Baden-Baden vertrieben. Mit ihrem Kauf werden nicht nur die philippinischen Kleinbauern unterstützt, man tut sich selbst auch etwas Gutes, denn sie sind gesund – und schmecken gut. 

 

Michael Schneider

Mehr Infos: www.tatort-verein.org/theater; Kontakt zur Aktionsgruppe Fairer Handel Baden-Baden: agfh-bad@gmx.de