Helena Jost, Darja Philippi und Tim Brodmann

Live-Poeten in der Dichterschlacht

Der Literatur-und-Theater-Kurs des Richard-Wagner-Gymnasiums Baden-Baden veranstaltete einen Poetry Slam

27.2.13 – Bei Kerzenlicht und Rotwein fand am Mittwoch, 20.2.2013, ein ungewöhnlicher Abend in gemütlicher Atmosphäre am RWG statt. Der Literatur-und-Theater-Kurs unter der Leitung von Veronika Marqués Berger stellte seine jüngst entstandenen Texte dem Publikum vor. Sieben Mädchen und drei Jungen sowie zwei weitere Poetry-begeisterte Schülerinnen begeisterten das Publikum durch ihren Mut, Eigenes zu präsentieren und ihre Themen ins Wort zu bringen.

Ein Poetry Slam  (deutsch: Dichterwettstreit) ist ein literarischer Wettbewerb, in dem selbstgeschriebene Texte einem Publikum vorgetragen werden und die Dichter sich dem Urteil der Zuhörer stellen. Die Jury wurde am RWG aus dem Publikum ausgewählt. Nach jedem Text durften sechs Zuschauer den Inhalt der Texte sowie die Art des Vortrags durch Hochhalten von Ziffern zwischen 1 und 10 bewerten und so sollte der Gewinner des Abends ermittelt werden.

Entzückende Wortspielereien, harmonische Reime, kleine Weisheiten und witzige Sprüche schmückten die verschiedenen Slam-Poetry-Texte der elf Teilnehmer. Von Liebesschmerz, Freundschaften, nervigen Schulpflichten bis hin zu humorvollen Aufstehgeschichten, nachdenklicher Gesellschaftskritik und Erzählungen aus dem fernen Osten – die Schüler präsentierten ihre poetischen Texte mit eindrücklicher Präsenz und ausgezeichnetem sprachlichen Ausdruck.

Den Auftakt des Abends machte Julian Hartmanns Text mit dem Titel „Unkreativ“, der von der Verzweiflung über die Aufgabe erzählt, einen Text für den Poetry Slam schreiben zu müssen. Weiter ging es nachdenklich mit „Sag doch einfach ja!“ von Lina Findeisen, der die Zuhörer einerseits amüsierte, da er aus vielen Reimen  und witzigen Passagen bestand wie: „Sag doch einfach ja, zu leckrem Kuchen, etwas Neues mal versuchen, wirklich teuren Urlaub buchen und dann so richtig drüber fluchen.“, aber andererseits auch mit dem „Nein“ konfrontierte, das viele zu mehr Aktivität und zu mehr Initiative in ihrem Leben sagen. Der Text von Madeleine Schröder „Menschen die verschwinden“, thematisierte  die in Vergessenheit geratenen Menschen unserer Gesellschaft und  sie berührte das Publikum durch ernstere Töne: „Niemand kennt ihren Namen, ihr dumpfes Dutzendgesicht, ihre Sicht der Dinge und so verrichten sie taub und stumm ihre Pflicht, kommen abhanden, gehen verloren“.  Der lyrische Text „Tokio“ von Nara Hank, wurde vom Publikum gekürt und bekam die beste Wertung. Sie überzeugte durch große Sprachkunst in außergewöhnlichen sprachlichen Bildern, in die hinein sie Erfahrungen und Eindrücke ihres Auslandsjahres in Asien und die Ankunft im fremden Land legte: "21:20 Uhr; Tokio/ welch absurdes Szenario/ der Flughafen, ein wandelnder Ameisenhaufen/ wo Kinder gestressten Eltern entlaufen/ Manager sich mit Sake vollsaufen/ und Hausfrauen überteuertes Sushi einkaufen;". Auch alle anderen Dichter des Wettstreits beeindruckten durch die Vielfalt der Texte und Themen wie auch durch die große Sprachfertigkeit, die manchen im Publikum zum Staunen brachte.

Der Abend wurde von Musik begleitet, die DJ Arne auflegte, der mit ein wenig Beatles, ein bisschen Doors, Old School Hip Hop und zwischendurch mit ein wenig elektronischer Tanzmusik das abwechslungsreiche Programm begleitete.

An angemessener Bewirtung hat es nicht gefehlt, denn von Sushi über Laugenstangen bis hin zu Kuchen und Knabbereien hatten die Zuschauer reichlich Auswahl. Die Dekoration, welche von den Schülerinnen und Schülern des Literatur-und-Theater-Kurses gestaltet wurde, verwandelte durch farbig gedeckte Tische im Kerzenschein, gemütliche Sessel und Zimmerpflanzen den Schulraum, so dass man den Abend in wunderbar gemütlicher Kneipen-Atmosphäre genießen konnte. 

Nara Hank

 

Lina Findeisen, Madeleine Schröder und Elora Schöverth