Spaß, Eifer und Begeisterung

Öffentliche Monatsfeier der Waldorfschule Rastatt in der Reithalle

17.12.13, Rastatt – Bei einer Schulaufführung der etwas anderen Art zeigten am Samstag, den 14. Dezember, alle Klassen der Freien Waldorfschule Rastatt Eltern, Lehrern und Interessierten ihr Können aus den verschiedensten Bereichen des Schullebens.

Was treiben eigentlich die Mitschüler der Klasse 7, aus deren Klassenzimmer man derzeit immer so getragenes Deklamieren hört? Und warum poltert es in der zweiten Klasse momentan so besonders laut? Was trällern die der 10. Klasse da ständig auf dem Pausenhof? Um solche Fragen zu beantworten, den Mitschülern zu zeigen, woran man gerade arbeitet und auch um das Erarbeitete in einer Art Prüfungssituation zu präsentieren – das war die Ursprungsidee der sogenannten Monatsfeier, die in Waldorfschulen traditionell monatlich begangen wurde. Da der Aufwand heutzutage zu groß wäre, ein solches Treffen der ganzen Schule jeden Monat zu organisieren und da außerdem doch auch Eltern, Verwandte und Freunde Lust haben, die Leistungen ihrer Kinder ab und an zu sehen, ist man in den meisten Waldorfschulen dazu übergegangen, zweimal im Jahr zu einer großen Aufführung für alle einzuladen, die nun nur noch den Namen „Monatsfeier“ trägt.

Der größte Unterschied zur herkömmlichen Aufführungspraxis liegt darin, dass die Darbietungen nicht extra für das Event einstudiert werden, sondern einfach das darstellen, woran die entsprechende Klasse gerade arbeitet, und zwar ohne Anspruch auf Perfektion oder Show-Qualität. Soweit die Theorie – am Samstag zeigte sich bei der Monatsfeier der Waldorfschule Rastatt in der Reithalle allerdings, dass die Schüler ihre Beiträge so fleißig eingeübt hatten und mit solch großem Enthusiasmus vortrugen, dass eben doch (fast) alles perfekt war und das Publikum wirklich begeisterte.

Ob die zweite Klasse mit erstaunlicher Sicherheit ihre Lieblingslieder flötete oder ein lustiges englisches Geschichtchen mit verteilten Rollen darbot, ob die fünfte Klasse Weihnachtslieder sang oder die zehnte und elfte zusammen „Mad World“ von Tears for Fears vortrugen – die Texte saßen und die Töne stimmten. Beeindruckend waren auch die Deklamationen der sechsten und achten Klasse, die sich jeweils eine lange und anspruchsvolle Ballade von Konrad Ferdinand Meyer ausgesucht hatten und die Rhythmik und das Metrum der Gedichte sowohl durch die klare stimmliche Interpretation als auch durch Bewegungen deutlich herausgearbeitet hatten. Hier wurde nichts heruntergeleiert, hier wurde das Wesen der Ballade verstanden. Sehr deutlich wurde auch bei der Darbietung der siebten Klasse, wie in der Waldorfschule anhand des niedlichen Popsongs „Everything at Once“ von Lenka, den Kindern plastisch gemacht werden konnte, dass zwei Akkorde genügen, um ein nettes Liedchen zu komponieren. Einen Schritt weiter ging hier die achte Klasse, die sogar gleich einen eigenen Song komponiert hatte. Das „Rezept“ dazu wurde auf humorige Weise von zwei Schülern vorab erklärt, das Ergebnis konnte sich hören lassen: „Lieder klingen uns im Herz“ war sowohl textlich als auch musikalisch modern, frisch und anspruchsvoll.

Was passiert, wenn das Thema „Humor“ auf dem Deutsch-Lehrplan steht, zeigten fünf Schüler der neunten Klasse, die den berühmten Sketch um Kosakenzipfel und Jodeldiplom von Loriot aufführten und mit klar herausgearbeiteten Pointen und einigen eigenen Ideen das Publikum zum Lachen brachten. Ein weiteres Bonbon war die Darbietung der Zirkus-AG, die in der auftretenden Formation erst seit zwei Monaten zusammen übt. Die Schülerinnen und Schüler bewiesen erstaunliche Geschicklichkeit, Humor und Schnelligkeit. Da war es absolut nicht tragisch, wenn mal ein Jonglierball fiel – dass die entsprechende Schülerin ihr Kunststück beherrscht, war dennoch zu erkennen.
Zum Abschluss sang die vierte Klasse den Kanon „Lobet und preiset ihr Völker den Herrn“. Beim anschließenden Adventslied stimmte das Publikum gerne ein, und so eingestimmt gingen alle Angehörigen und Freunde beeindruckt und stolz auf die Leistungen ihrer Kinder ins dritte Adventswochenende.