V.l.n.r. (hinten) Thomas Pörings, Cordula Schieser und Reiner Krempel; vorne: Mareike Früh, Milena Schulz, Moritz Schalles und Valentina Fabris vom RWG, die beim Berufsnavigator-Test mitmachten (Foto: M. Schneider)

„Plan B“ dank dem Berufsnavigator

Rund 250 Schülerinnen und Schüler aus Baden-Baden und Gernsbach
haben wieder beim „Berufsnavigator“-Test teilgenommen

3.2.14, Baden-Baden/Gernsbach – Dass die meisten Menschen besser von andern gekannt werden, als sie sich selbst kennen, ist eine Erkenntnis, zu der der Naturforscher und Schriftsteller Georg Christoph Lichtenberg schon vor mehr 200 Jahren gelangte. Und sie ist auch heute noch aktuell, so Cordula Schieser, Teamleiterin Berufsberatung der Agentur für Arbeit in Rastatt, zum Beispiel ist sie das Grundprinzip des „Berufsnavigators“. An diesem Berufsfindungs-Projekt haben in der vergangenen Woche im nun bereits vierten Jahr auf Einladung der Volksbank Baden-Baden · Rastatt und der Agentur für Arbeit rund 250 Schülerinnen aus Baden-Baden und Gernsbach teilgenommen.

Bei diesem – von der Universität der Bundeswehr Hamburg und der Wirtschaft entwickelten –  Testverfahren bewerten in drei- bis vierköpfigen Kleingruppen Schüler, die sich gut kennen, sich gegenseitig bei verschiedenen Persönlichkeitsmerkmalen. Dazu gehören zum Beispiel Auftreten, Belastbarkeit, soziale Kompetenzen, aber auch Mathematik. Dabei, sagt Thomas Pörings, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Baden-Baden · Rastatt, werden vor allem die jeweiligen Stärken der Beteiligten herausgearbeitet. Aus den Ergebnissen ermittelt dann ein Computerprogramm aus rund 350 hinterlegten Berufsbildern, diejenigen, die zu den herausgefundenen Stärken am besten passen. Die Übereinstimmung zwischen Berufswunsch und Testergebnis liegt bundesweit bei etwa 90 Prozent.

Dieses Ergebnis bestätigten auch die am Pressegespräch teilnehmenden Schülerinnen und Schüler der 10a des Richard-Wagner-Gymna­siums. Außerdem waren in diesem die Robert-Schuman-Schule, ebenfalls aus Baden-Baden, sowie die Handelslehranstalt Gernsbach mit dabei, alle drei über „Wirschaft macht Schule“-Kooperationen schon länger mit dem Kreditinstitut verbunden. So erfuhr Valentina Fabris, dass sie durchaus geeeignet für den Bereich Computer/IT sei. Zwar hatte sie bislang vor allem den Sprachenbereich für sich gesehen, doch nun könne sie sich durchaus eine Kombination vorstellen, mit der sie dann auch im Ausland arbeiten könne. Mareike Früh wurde ihr Interesse für die naturwissenschaft­lichen Fächer voll bestätigt. Moritz Schalles erfuhr, dass er, wenn es mit Medizin oder Naturwissenschaften nicht klappe, auch zum Fitnessmanager tauge. Und Milena Schulz meinte: „Bisher hatte ich keinen Plan B.Nun habe sie aufgezeigt bekommen, dass sie außer für ihr eigentlichens Interessensgebiet Biologie auch für das Thema Wirtschaft afin sei. Gut fand sie deshalb auch, dass der Berufsnavi­gator in der zehnten Klasse, also vor der Kurswahl für die Oberstufe, durchlaufen wird.

Cordula Schieser von der Arbeitsagentur und RWG-Schulleiter Reiner Krempel bestätigten, dass es wichtig sei, dass die Einschätzung so früh getroffen werde. Schüler wie Lehrer profitierten davon, wenn die rich­tigen Kurse gewählt und der Unterricht entsprechend motiviert absolviert werde. Krempel: „Der Berufsnavigator ist im Rahmen der Berufsorientierung zu ­einem wichtigen Mosaikstein geworden.“ Vor allem aber, so Schieser, könne der wissenschaftlich fundierte Test, zusammen mit dem anschließenden individuellen Gespräch der Schüler mit den Berufsnavigator- Beratern sowie einem vertiefenden Berufsberatungsgespräch bei der Arbeitsagentur dafür sorgen, dass nicht leichtfertig ein falsches Studium begonnen werde. Die aktuellen Zahlren von bis zu 30 Prozent Studienabbrechern seien alarmierend.

Nicht minder der zunehmende Fachkräftemangel aufgrund des demografischen Wandels. Deswegen appellierte sie an die Gymnasias­ten, bei der Berufswahl zu bedenken, dass wir nicht nur Ärzte, sondern auch Leute brauchen, die eine Heizung reparieren können. Insoweit wird sie allerdings noch eine Menge Überzeugungsarbeit leisten müssen. Zwar konnten sich einige der anwesenden Schüler vorstellen, zunächst eine Ausbildung zu absolvieren,  anschließend aber doch ein Studium aufzunehmen. Denn, so  Valentina Fabris stellvertretend: „Wenn ich Abitur mache, dann will ich auch studieren".                   

Michael Schneider