Was für Temperamente!

Theateraufführung der 8. Klasse der Waldorfschule in der Reithalle Rastatt

23.7.14, Rastatt –Was für ein Haus! Tür an Tür leben die verwitweten Väter Herr von Braus, Herr von Froh, Herr von Trüb und Herr von Fad mit jeweils einer Tochter und einem Sohn. So schnell wie möglich sollen die Töchter mit Jugendfreunden der Väter verheiratet werden, doch insgeheim führen sie bereits Liebesbeziehungen mit den Nachbarssöhnen. Dass dies allein schon zu Liebeschaos in diesem „Haus der Temperamente“ führt, versteht sich von selbst. Doch Johann N. Nestroy lässt in seiner Posse von 1837 noch einiges an Verwicklungen – eingefädelt von Kleiderputzer Hutzibutz, Barbier Schlankel und Stubenmädchen Isabella – über seine Personen hereinbrechen, die sich alle natürlich ganz entsprechend ihrer vielsagenden Familiennamen verhalten.

Und ob die leichtlebige Familie von Froh, die ständig schluchzende und klagende Familie von Trüb, die gleichgültige Familie von Fad oder die stets cholerische Familie von Braus – die Schüler brachten mit Mimik, Gestik und Sprachausdruck die jeweiligen Charakteristika aufs Köstlichste zum Vorschein. Im schnellen Wechsel wurden die vier farblich abgegrenzten und professionell ausgestalteten Wohnungen der Familien beleuchtet und wieder ins Dunkel gesetzt und so das Geschehen temporeich und spannend vorangetrieben. Besonders witzig gelangen die kurzen, knappen Statements, mit denen die vier Töchter die Kunde von der vermeintlichen Untreue ihrer Geliebten kommentierten – die Schülerinnen brachten ihre jeweiligen Temperamente schauspielerisch bestens auf den Punkt! Die Gegensätze der Charaktere zeigten sich dann ganz besonders deutlich in den Dialogen der so ungleichen Paare – und als sich dann am Ende komödientypisch alles in Wohlwollen auflöste, wurde klar, dass in der Ergänzung von Gegensätzen vielleicht das wahre Geheimnis des Lebens liegt – oder wie es Nestroy am Ende formuliert: Was noch so verschieden im Leben scheint – zu einem ein Glück wird durch die Liebe es vereint! Zu recht wurden die Schülerinnen und Schüler am Ende mit tosendem Beifall für ihre tollen Leistungen belohnt.