Mona Peschek (li.) und Anne-Luise Opitz (re.) sind zwei der insgesamt acht Trainer­innen und Trainer, die im Rahmen der „Sommerschule“ am RWG unterrichten

Unterricht auf Augenhöhe

Zum dritten Mal findet am Richard-Wagner-Gymnasium Baden-Baden die „Sommerschule“ statt

4.8.14, Baden-Baden – Vektoren, Wahrscheinlichkeitsrechnung, Funktionen – schon manche Schülergeneration ist an diesen Mathematikaufgaben verzweifelt. Und nicht wenige Schülerinnen und Schüler tun es auch heute noch. Dies musste vor einigen Jahren auch Olaf Stiborsky, Studiendirektor am hiesigen Richard-Wagner-Gymnasium (RWG) feststellen, als er sich die Noten der Abiturienten in Mathematik betrachtete. Als Abteilungsleiter Gesellschaftswissenschaften hat er an der Schule zwar mit Mathe nichts zu tun, doch die Ergebnisse ließen ihn nicht ruhen: „Ich war einfach erschrocken über die schlechten Noten und fühlte mich für unsere Schüler verantwortlich“. So ging er auf seine Kollegen, die Mathematik unterrichten zu und überlegte gemeinsam mit ihnen, was man unternehmen könnte, um die Schüler zu besseren Ergebnissen in Mathematik zu führen.

Herausgekommen ist dabei die Idee zur „Sommerschule“, ein Unterstützungsprojekt, das nach dem Schüler-helfen-Schüler-Prinzip funktioniert und von Olaf Stiborsky nun bereits im dritten Jahr koordiniert wird.

Jeweils in der ersten und der letzten Woche der Sommerferien haben Schüler der zehnten Klassen des RWG die Möglichkeit, ihre Lücken in Mathe­matik zu schließen. Auf der Trainerseite finden sich Schülerinnen und Schüler, die gerade die erste Kurstufe absolviert haben und in Mathe im Zeugnis zwölf Punkte oder mehr stehen haben.

Immerhin 30 von insgesamt 80 Schülerinnen und Schülern, die nach den Ferien in die Kursstufe (Klasse 11) kommen, haben sich dieses Jahr für die „Sommerschule“ angemeldet. Ihnen stehen acht Trainerinnen und Trainer eine Woche lang, jeweils drei bis dreieinhalb Stunden täglich zur Seite. Mit Material unterstützt werden sie dabei von den Mathelehrern Olaf Grund und Tobias Prestenbach. Im Übrigen aber seien sie völlig frei bei ihrer „Unterrichtsgestaltung“, erklären auch Anne-Luise Opitz und Mona Peschek, die seit vergangenem Donnerstag eine von fünf Gruppen betreuen. „Vor allem haben wir unsere eigenen, alten Mathehefte nach passenden Aufgaben durchgesehen“, sagt Anne-Luise Opitz. Das Mathetraining bereitet ihnen nicht nur sichtlich Vergnügen, sie sind überzeugt, auch selbst davon zu profitieren. Einmal durch die Wieder­holung der Aufgaben, aber auch durch das Einüben der Präsentation „vor Publikum“. Vor allem aber profitieren die TeilnehmerInnen der „Sommerschule“ durch diesen „Unterricht auf Augenhöhe“ in kleinen Gruppen und in einer Sprache von nahezu Gleichaltrigen, die sie häufig viel besser verstehen als die ihrer Lehrer. Und so ist das einzige Manko, das Olaf Stiborsky bei der „Sommerschule“ noch sieht, dass nicht alle Schüler, die es eigentlich nötig hätten, daran teilnehmen.