Foto: Handelslehranstalt Gernsbach

Vom blühenden Handel mit nicht existierenden Waren

Die Übungsfirmen an den beruflichen Schulen im Landkreis Rastatt

7.8.14, Landkreis Rastatt – Waren, Dienstleistungen und das erforderliche Geld sind real gar nicht vorhanden, dennoch wird rege hin und her gehandelt. Die Rede ist nicht von Spekulationsgeschäften an der Börse, sondern von Übungsfirmen an Schulen im Landkreis.

Übungsfirmen, das sind fiktive Firmen, die in den Unterricht an den kreiseigenen beruflichen Schulen integriert sind und wie ein echtes Unternehmen handeln. Typische Geschäftsfälle der Praxis werden handlungsorientiert abgewickelt, von der Beschaffung über die Leistungserstellung bis zum Absatz. Die Schülerinnen und Schüler sind für das Gelingen der Geschäfte verantwortlich, stehen mit Lieferanten und anderen Firmen in Kontakt, sei es per Brief, Telefon, E-Mail, Online-Shopping oder Online-Banking - ganz wie im späteren Berufsleben.

Sinn und Zweck der Übungsfirmen ist, den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit zu geben, theoretisches Wissen sofort und direkt umzusetzen, und diese praxisorientiert und realitätsnah auf das Berufsleben vorzubereiten. Dafür braucht es natürlich eine möglichst „echte Simulation“ des Wirtschaftslebens. Und hier kommt der Deutsche ÜbungsFirmenRing ins Spiel. Er ist die Dachorganisation von mehr als 550 Übungsfirmen, die Aus- und Weiterbildungen in kaufmännischen Berufen anbieten, und Initiator von Übungsfirmenmessen. Im Markt der Übungsfirmen sind alle Branchen vertreten: Speditionen, Modehäuser und Baumärkte zählen dazu, ebenso wie Computerhersteller, Chemieunternehmen oder Autohändler. Knotenpunkt des Deutschen ÜbungsFirmenRings ist die Zentralstelle Essen. Dort befinden sich die Bank, das Finanz- und Zollamt sowie die Krankenkassen der virtuellen Übungsfirmenwelt.

Darüber hinaus ist der Deutsche ÜbungsFirmenRing auch Mitglied im European e.V., dem etwa 6.000 Übungsfirmen weltweit angehören. Der Handel kennt auch hier keine Grenzen mehr. Von dem geschaffenen Netzwerk profitieren die Schülerinnen und Schüler durch eine praktische und realitätsnahe Ausbildung.

Auch an den Schulen in der Trägerschaft des Landkreises Rastatt sind mehrere Übungsfirmen eingerichtet. So entstand an der Elly-Heuss-Knapp-Schule in Bühl die „Belleza GmbH“, die mit Schönheits- und Gesundheitsprodukten sowie Sport- und Rehabilitationsartikeln „handelt“. Unterstützt wird sie von den beiden Patenfirmen GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG und Stinus Orthopädie GmbH. Diese Firmen stehen mit ihren Produktpaletten und Dienstleistungen Pate für die Übungsfirma und unterstützen sie beispielsweise durch das Bereitstellen von Ausstellungsprodukten für die Übungsmessen, durch Produktschulungen oder Unternehmensführungen.

Mit gleich fünf Übungsfirmen ist die Handelslehranstalt Rastatt auf dem Markt vertreten. Die „Fair Business GmbH“ bietet Sport- und Freizeitkleidung sowie Sportzubehör, die „Red Boule GmbH“ Boulezubehör, die „Top Medi@ GmbH“ handelt mit Elektronikartikeln und die „Office Attack GmbH“ vertreibt Schreibwaren und technische Artikel für den Bürobedarf. Im Jahr 2012 neu hinzugekommen ist die „Cura GmbH“, deren Sortiment im Bereich der Kosmetik- und Pflegeartikel angesiedelt ist.

Doch nicht nur die Handelslehranstalt Rastatt setzt auf Vielfalt beim Angebot von Übungsfirmen. Auch die Handelslehranstalt Gernsbach schickt fünf Übungsfirmen ins Rennen. Die „Banjo GmbH Klebstoffe“ handelt mit UHU-Klebstoffen, die „Banjo GmbH Autoteile“ ist auf Autoteile spezialisiert und die „X Trips GmbH“ behauptet sich im harten Konkurrenzkampf der Reiseunternehmen. Die Schwerpunkte der beiden weiteren Übungsfirmen der Handelslehranstalt Gernsbach liegen eher beim leiblichen Wohl. Die „Cater a baker GmbH” ist ein Cateringunternehmen für Backwaren und bei der „Cater Getränke GmbH“ handelt es sich um einen Getränkehandel.

An den Handelslehranstalten Bühl und Gernsbach gibt es außerdem noch Juniorenfirmen, die im Gegensatz zu Übungsfirmen am wirklichen Marktgeschehen mit echtem Kapital und realen Produkten teilnehmen. Die Chance wirtschaftlichen und unternehmerischen Erfolgs genauso wie die Gefahr des betriebswirtschaftlichen Scheiterns ist hier nicht nur Fiktion, sondern Realität. An der Handelslehranstalt Bühl besteht die „Ich mach mit GmbH Vertriebsgesellschaft für Produkte von Behinderten“, die Produkte vertreibt, die von Menschen mit Handicaps hergestellt werden. Die „Projunio“ an der Handelslehranstalt Gernsbach vertreibt den selbst entwickelten Abschreibschutz an Schulen, Universitäten und anderen Bildungseinrichtungen.

Die Arbeit in einer Übungsfirma bringt den Schülerinnen und Schülern schon während der Schulzeit echte praktische Erfahrungen sowie wichtige Erkenntnisse und rüstet sie für die Berufswelt.