Eine Eruption aus Gernsbach in der Berufsschulwelt und bei den Technischen Hochschulen

10 Jahre Übungsfirmen an der Handelslehranstalt

9.2.15, Gernsbach – Vor 10 Jahren wurde die erste Übungsfirma X-TRiPS an der Handelslehranstalt (HLA) in Gernsbach gegründet. Sie verkauft Reisen und besteht aus den Abteilungen Kundenbetreuung, Marketing, Vertrieb und einem Sekretariat.

Seither sind die Übungsfirmen fester Bestandteil des Unterrichts am Berufskolleg der HLA. Die Philosophie hinter dem Projekt ist: Alles so praxisnah wie möglich und in enger Kooperation mit der regionalen Wirtschaft, um die Arbeitsrealität in die Schule zu bringen. Zwei Doppelstunden die Woche werden am Berufskolleg allein auf die Beschäftigung mit den Übungsunternehmen im Lehrplan reserviert. Es wird alles gemacht, was der Arbeitsalltag im realen Unternehmen ist: Gehaltsabrechnungen, Bilanzen, Marketingpläne oder Kataloge erstellt. Aufträge bekommen die Firmen über Messebesuche. Die Banjo GmbH (Autozubehör)  und der Getränkefachhandel Carter GmbH kamen hinzu. Jeder Schüler bekommt von den Lehrern eine klare Zielvorgabe, die eng mit der Umsatz- und Gewinnentwicklung verknüpft ist und die Schüler werden von Lehrern pädagogisch begleitet. Während die Übungsfirmen mit fiktivem Geld handeln, wird in den Juniorfirmen Kohle gemacht. Wie Spick Stop, das einen Schutz vor dem Spickeln an die Schulen verkauft. 0der jüngst mit EVENTURE, das in Kooperation mit der Volksbank Baden-Baden · Rastatt eine richtige Genossenschaft im Catering-Bereich wird und als Praxis-Partner Peters gute Backstube hat.

Wenn es die Übungsfirmen nicht gäbe, müsste man sie erfinden, weil sie eng Theorie und Praxis verzahnen, erklärte der Schulleiter Stephan Blum bei der Jubiläumsfeier.

Auch die Schulen stünden im Wettbewerb und müssten schnell auf neue Entwicklungen in der Wirtschaft  reagieren. Heute stünden wir mitten in einer 4. Industriellen Revolution, vorangetrieben von den Informationstechnologien hin zur intelligenten Fabrik und Smart Factory, da seien die Übungsfirmen für die Schüler und die Schule ideal, erklärte Blum.

Professor Eberhard Abele von der Technischen Universität Darmstadt sieht gar eine Eruption, die von den Übungsfirmen der HLA ausgegangen sei und sich in der Schullandschaft und an den Hochschulen verbreitet hätte. In Darmstadt hätte man eine Lernfabrik eingerichtet und die Vision seien richtige Lernunternehmen. Weitere Hochschulen folgten und das Modell der Lernfabrik wird selbst in China angewandt, so Abele. Die reine Spezialisierung auch von Techniker sei ein  Auslaufmodell, man braucht kaufmännische Kenntnisse und Marketingwissen in der Unternehmensorganisation der Zukunft und da seien Lernfabriken ideal, um die Studenten auf neue Trends vorzubereiten.

Dass die Schüler auch von den Übungsfabriken profitieren führte der ehemalige Schüler Andreas Zahnen aus. Er bekam eine Stelle bei dem Protektorwerk Florenz Maisch nach einem Praktikum und den Kontakt mit dem Unternehmen über eine Übungsfirma. Auch dank der Übungsfirma hätte er so viel Praxis von der HLA mitgenommen, dass er bereits nach 2 Jahren Leiter der Pressestelle wurde. In einem Rollenspiel informierten Franziska Ebi und Marvin Gantner über die Aufgaben in den Übungsfirmen und über Messebesuche bis nach New York.

Volker Gerhard

 

Prof. Dr.-Ing. Eberhard Abele (3. v. l.), Schulleiter OStD Stephan Blum (Mitte) und Vertreter von Ausbildungsunternehmen sowie Schüler der HLA Gernsbach bei der Feier des 10-jährigen Jubiläums der Übungs- und Juniorenfirmen