Begleiten die künftigen Schüler des sechsjährigen beruflichen Gymnasiums (v.l.n.r.): Alexander Klein, Astrid Büchler, Andreas Büchler und Oberstufenberater Rüdiger Lorth

Optimale Vorbereitung auf
das spätere Berufsleben

Pädagogium Baden-Baden führt ab dem Schuljahr 2015/16 sechsjähriges berufliches Gymnasium ein

17.3.15, Baden-Baden – Eine Antwort auf eine sich „rasant verändernde Bildungslandschaft“ hat das Pädagogium Baden-Baden für sich gefunden: Ab dem kommenden Schuljahr bietet es dann einen sechsjährigen Zug ab Klasse 8 am beruflichen Gymnasium an. Und wie beim schon bestehenden dreijährigen Zug können die Schülerinnen und Schüler zwischen den Fachrichtungen Wirtschaftsgymnasium (Profilfach: Volks- und Betriebswirtschaftslehre) und Sozialwissenschaftliches Gymnasium (Profilfach: Ernährung, Soziales und Gesundheit) wählen.

Päda-Schulleiter Andreas Büchler sagte bei der Vorstellung des neuen schulischen Angebots, dass man auf die Einführung der Gemeinschaftsschule und den Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung in Baden-Württemberg habe reagieren wollen. Überlegungen, am allgemein bildendenden Gymnasium einen G9-Zug einzuführen, habe man verworfen, da man dieses mit den beiden beruflichen Gymnasien praktisch schon im Haus habe. Mit der Einführung des sechsjährigen Zuges werde diese Ausrichtung nun noch verstärkt.

Mit dem sechsjährigen Zug erhoffe man sich, so Alexander Klein, stellvertretender Schulleiter Berufliche Gymnasien am Pädagogium, eine bessere und gezieltere Vorbereitung und damit einen leichteren Übergang für die Schüler in die Oberstufe. Mit dem Übergang bereits nach der 7. Klasse erhalte man die Möglichkeit, die unterschiedlichen Bildungsniveaus der Schulwechsler bis zur Oberstufe besser anzugleichen.

Möglich ist der Wechsel aufs sechsjährige berufliche Gymnasium nach Klasse 7 für alle Schulformen, allerdings mit unterschiedlichen Voraussetzungen. Hauptschüler müssen eine Aufnahmeprüfung in Deutsch, Mathematik und Englisch absolvieren, Realschüler können mit einem entsprechenden Notenschnitt oder einer Aufnahmeprüfung wechseln und für Schüler von allgemein bildenden Gymnasien wird lediglich die Versetzung nach Klasse 8 vorausgesetzt.

Nach sechs Jahren können dann alle die allgemeine Hoschschulreife erlangen. Und auf dem Weg dorthin eine praxisnahe und berufsorientierte Schulzeit verbringen. So wird laut Astrid Büchler, die am Wirtschaftsgymnasium unterrichtet, den Schülern der Lernstoff aus der Perspektive des „jugendlichen Konsumenten“ vermittelt. Dafür wird zum Beispiel ein digitales Haushaltsbuch geführt, die Schüler lernen zu verstehen, was AGBs, das „Kleingedruckte in Verträgen“ für sie bedeuten, die „Schuldenfalle Handy“ wird diskutiert und der Frage nachgegangen, wie Werbung auf den Einzelnen wirkt. In den höheren Klassen findet dann ein Perspektivenwechsel statt. Dann geht es um Themen wie Existenzgründung oder das Führen einer „Schülerfirma“. Wer sich für die sozialwissenschaftliche Fachrichtung entscheidet, lernt, wie Alexander Klein erläuterte, was Nachhaltigkeit bei der Lebensmittelproduktion bedeutet und welche Faktoren die Gesundheit des Einzelnen beeinflussen. Eigenständige Projekte sowie Praktika sollen zudem bei beiden Fachrichtungen eine optimale Vorbereitung auf die Oberstufe und das spätere Berufsleben ermöglichen.

Mit dem sechsjährigen Zug verbindet Andreas Büchler zudem die Hoffnung, dass die Schüler, weil sie länger am Päda sind, eine größere  emotionale Bindung an die Schule erhalten und sich so der „Päda-Familie“ stärker zugehörig fühlen – entsprechend dem Motto des Pädagogiums „Miteinander leben, lernen, lehren“.
Dem Ziel, dieses Motto im Schulalltag mit Leben zu erfüllen, ist das
Pädagogium mit der Eröffnung der neuen Cafeteria als Zentrum des Schulcampus sowie der Einführung des Konzepts „Lehrer als Gastgeber“ durchaus gerecht geworden. Seit diesem Schujahr hat nun fast jeder Lehrer seinen eigenen, speziell für seine Fächer ausgestatteten Unterrichtsraum, in den die jeweiligen Klassen „wandern“.  Dieser Raum ist quasi sein Büro mit Schreibtisch, ständig präsenten Unterrichtsmaterialien und Computer nebst Beamer. Seitens Lehrer wie Schüler sind die Reaktionen auf das neue Konzept bisher durchweg positiv und auch die neuen Schüler am sechsjährigen beruflichen Gymnasium werden daran teilhaben und profitieren. 

Michael Schneider