Wir schaffen das?!

Waldorfschüler im Gespräch mit der Landtagsabgeordneten Beate Böhlen (Grüne) und Ernst Kopp (SPD)

16.12.2015, Baden-Baden – Angesichts der aktuellen Situation in Deutschland und Europa zu den Flüchtlingswellen und den Terroranschlägen, waren es Fragen dazu, die die Schülerinnen und Schüler der Freien Waldorfschule Rastatt an die Landtagsabgeordneten der Grünen Beate Böhlen und der SPD Ernst Kopp am Montag während einer Doppelstunde in der Schule in Rastatt stellten. Anlass für das Gespräch war die bundesweite Aktion der Freien Schulen, ihren Anteil am Schulwesen in Deutschland deutlich zu machen.
 
"Brauchen wir Obergrenzen zur Aufnahme von Flüchtlingen, wie es die CSU fordert?", fragten die Schülerinnen und Schüler der Abiturklasse und der 12. Klasse. Beate Böhlen begegnete dieser Überlegung, die sie für ein gefährliches Spiel mit den Ängsten der Menschen hält, mit einem Vergleich. 1964 begrüßten wir in der BRD den Millionsten Gastarbeiter und schenkten ihm ein Mofa, heute erwarten wir bis zum Ende des Jahres 800.000 Asylanträge. Wobei wir heute, so Ernst Kopp, die Fehler von damals nicht wiederholen, sondern für Integration und Sprachkompetenz sorgen sollten. Zumal erneut Arbeitskräftemangel herrsche. So erfasse ein Kompetenzzentrum in Heidelberg zur Zeit bereits die zahlreichen Fähigkeiten der Asylbewerber, so Böhlen.

Auf die Frage, wie die Politiker der Terrorgefahr begegnen wollen, sieht die SPD einen Bedarf für umfassende Datenspeicherung, während die Grünen zögern. So habe, nach Böhlen, die in Frankreich erlaubte Datenspeicherung, die Anschläge dort nicht verhindert.

„Gibt es denn Möglichkeiten die Fluchtursachen zu bekämpfen?“, so die Schüler. Dazu, so Böhlen, gelte es nicht länger wegzuschauen, etwa wie Saudi-Arabien die IS unterstützt, und wie die Türkei die Kurden angreift, die gegen die IS kämpfen und ihr zugleich 1 Milliarde Euro Flüchtlingshilfe zu gewähren. Vor allem aber gelte es, die Direkthilfen für die Welthungerhilfsprogramme (WFP) wieder aufzustocken, die 2015 zugunsten der Sanierung der Haushalte etwa von Schweden um 95 Prozent und von Deutschland um zirka 50 Prozent gekürzt wurden. So treibe die Unterversorgung in den Auffanglagern die Menschen zur Flucht in die EU.

Wenn jeder sich einbringt, so Kopp abschließend, mit Blick auf das mögliche Engagement der Schüler, könne man sich mit "geballter Kraft" gegen die Bedenkenträger durchsetzen und, wie es Böhlen zuspitzt, gegen einen möglichen Rechtsruck in unserer Gesellschaft, wie er in Polen, der Schweiz, Frankreich und Belgien bereits zu beobachten ist.


Fotos und Text: Martina Sauer